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12.05.2023
Buch (Taschenbuch)
Dekonstruktion als Umweltphilosophie
Auch wenn die Geisteswissenschaften im Allgemeinen, die Philosophie im Besonderen, sich schwertun mit dem Klimawandel und dessen Folgen auseinanderzusetzen, so gibt es dennoch einige Tagungen bzw. Sammelbände zu dem Thema. Ein lesenswerter Sammelband, der schon 2018 erschienen ist und von Matthias Fritsch, Philippe Lynes und David Wood herausgegeben wurde, trägt den Titel "Eco-Deconstruction: Derrida and Environmental Philosophy".
Wie der Titel schon nahelegt, kommen die Autoren und Autorinnen des Bandes aus dem Umkreis der US-amerikanischen Dekonstruktion. Bestimmt ist das Buch im Ganzen, aber auch jeder einzelne Betrag keine leichte Kost, aber es zeugt von großem ökologischem Engagement und einer philosophischen Belesenheit. Gleich einleitend grenzen sich die Herausgeber von jener Derrida-Rezeption ab, die an seinen Arbeiten zur Animalität anknüpfen. Den Autoren und Autorinnen des Buches geht es bei weitem nicht allein darum sich mit dem Tier bzw. mit den Tieren zu beschäftigen. Das Anliegen des Buches ist radikaler und weitreichender. Einerseits möchten die AutorInnen zeigen, dass Jacques Derridas Dekonstruktion immer schon ökologisch war, andererseits versuchen sie herauszuarbeiten, dass sich eine ökologische Dekonstruktion den Herausforderungen und Aufgaben stellen kann, die einer Umweltphilosophie zufallen. Schließlich und endlich geht es darum, wie es mit den Menschen und dem Nicht-Menschlichen in Zeiten des Klimawandels weitergeht. Diese Frage nach dem Wie-geht-es-weiter-? betrifft zum einen das Zusammenleben der Menschen untereinander, zum anderen natürlich auch die Verhältnisse und Beziehungen, die der Mensch zum Belebten, aber ebenso zum Unbelebten unterhält. Auch wenn die einzelnen Beiträge des Buches recht heterogen sind, so ist das Buch stimmig und aneinander aufbauend in vier Abschnitte gegliedert: 1. Diagnosing the Present, 2. Ecologies, 3. Nuclear and Other Biodegradabilitie und 4. Environmental Ethics. Gleichwohl es sich nicht von der Hand weisen lässt, dass die Philosophie ihre Probleme hat, sich mit dem Nicht-Menschlichen zu beschäftigen, so zeigt gerade dieser Sammelband, dass dies sehr wohl möglich ist. Vielleicht kann die Dekonstruktion uns tatsächlich einen Weg weisen, um unsere Souveränität und Gleichgültigkeit gegenüber dem Nicht-Menschlichen zu überdenken. Im Moment scheinen die Naturwissenschaften, um diese Aufgabe zu bewältigen, eher in der Lage zu sein.
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