Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit?Sie ist über fünfzig, verheiratet und Chefin eines großen Literaturverlags. Er ist Ende zwanzig und ein aufstrebendes Talent in ihrem Unternehmen. Betty und Fero sind ein perfektes Team – und eine brisante Verbindung auf sehr dünnem Eis.Als Fero eines Tages verschwindet und Betty mit einer Pistole und Falschgeld an der ungarischen Grenze aufgegriffen wird, scheint die Sache klar: Betty ist Feros Mörderin.Der »Loverboy-Fall« landet vor dem Hamburger Landgericht, spaltet die Öffentlichkeit und elektrisiert die Medien. Beweist Bettys Fall, dass Frauen genauso toxisch sein können wie Männer? Oder ist sie das prominente Opfer einer Gesellschaft, die noch immer Prozesse gegen freiheitsliebende Frauen führt?Für Bettys Verteidiger Mark ist es der wichtigste Auftrag seiner Karriere. Doch schnell merkt er, dass er sich auf nichts verlassen kann – nicht einmal auf sich selbst. Wer verfolgt hier welche Agenda? Wer manipuliert wen? Und was glauben wir nur deshalb, weil wir es glauben wollen?Und vor allem: Was hat Betty wirklich getan?Ungekürzte Lesung mit David Schütter19h 14min
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Gabi
aus Traiskirchen
4/5
25.10.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Spannend und gut
Ich liebe Juli Zeh sehr. Dieses Buch hat mir auch sehr gut gefallen, auch wenn ich beide Thematiken (Gericht/Verlagswesen) gar nicht gern lese/höre.
Selbstironisch lässt sie die Hauptfigur Autorinnen hassen, die über Autorinnen schreiben.....
Ja, dennoch hat es sich gelohnt, das Hörbuch zu hören.
Tolle Leserstimme, gute Unterhaltung!
Gela
Thalia Book Circle Community
4/5
24.10.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Wenn die „Wahrheit“ zur Gerichts-Show wird
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht, ein verschwundener junger Mitarbeiter und ein Prozess, der zur öffentlichen Inszenierung wird. Je mehr über die Beziehung zwischen Betty und Fero ans Licht kommt, desto weniger geht es um die einfache Frage nach Schuld oder Unschuld. Stattdessen verhandelt der Justizthriller, wer eine Geschichte erzählen darf und wem die Öffentlichkeit glauben will.
Der erzählerische Kniff, die Handlung aus der Perspektive von Mark, Bettys Verteidiger, zu erzählen, verleiht dem Roman eine instabile Dynamik. Mark verliert zunehmend seine professionelle Distanz, sodass sein subjektiver Blick den Prozess stark prägt. Vieles erfährt man erst nach und nach und oft nur, wenn Betty es Mark preisgeben möchte. Zugleich wechselt die Erzählung an manchen Stellen in eine Perspektive, die mehr zu wissen scheint.
Als Betty Fero kennenlernt, einen deutlich jüngeren Mitarbeiter ihres Verlags, gerät ihr geordnetes Leben aus dem Gleichgewicht. Sie glaubt, in ihm einen Seelenverwandten gefunden zu haben. Diese Vorstellung konnte ich von außen nur schwer nachvollziehen. Bettys Sehnsucht hingegen war für mich verständlich – ihre Entscheidungen oft weniger. Aus einer romantischen Fantasie entwickelt sich ein Drama aus Selbstzweifeln und Fremdbildern. Dabei empfindet man zugleich Mitleid und Ärger, was durchaus beabsichtigt scheint. Bettys Widersprüchlichkeit macht es schwer, sie eindeutig zu verurteilen oder zu verteidigen.
Fero wirkte auf mich stark manipulativ und berechnend. Wie ein „weicher Handschuh“ passt er sich seinem Gegenüber an, spiegelt Bettys Bedürfnisse und nutzt ihre Gefühle für seine eigenen, oft vagen Ziele. Dass dieser begabte junge Mann kaum eigene Ambitionen zu haben scheint und sich einfach treiben lässt, macht ihn rätselhaft.
Der Prozess selbst wird zur Bühne: Medienrummel, spektakuläre Auftritte und überraschende Beweise treiben die Handlung voran. Das passt zum Titel und zur Frage, wie sehr sich Wahrheit vor Gericht inszenieren lässt.
Das Machtverhältnis zwischen einer älteren Chefin und einem jüngeren Angestellten bietet viel Stoff zum Nachdenken darüber, wie Geschlecht, Macht und gesellschaftliche Erwartungen unseren Blick auf Schuld beeinflussen. Wie ein Echo hallt immer wieder der Satz „Your body is a battlefield“ durch die Geschichte.
Die wiederholte Anspielung auf einen Film mit Nicole Kidman, die Einbindung aktueller Themen und den überambitionierten Staatsanwalt empfand ich als unnötige Reize in einer stark inszenierten Geschichte. Das Ende konnte mich überraschen und fügt sich in den Showprozess ein, doch der letzte Satz ist entbehrlich.
Als Hörbuch gefiel mir besonders die starke Präsenz des Sprechers. Sie rückt Mark und seine Perspektive noch stärker ins Zentrum und verleiht der Erzählung eine eigene Dynamik.
Insgesamt habe ich den Roman gern gehört: Er hat mich aufgeregt, zum Nachdenken gebracht und immer wieder dazu verleitet, Bettys Entscheidungen zu bewerten.
Hornita
aus Augsburg
5/5
30.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielschichtig aufgebaut und sehr spannend
Für mich war es der erste Roman von Juli Zeh und mich hat der unglaublich vielschichtige Aufbau des Buchs sehr beeindruckt. Die Geschichte wird in der Gegenwart aus der Perspektive des Rechtsanwalts Mark erzählt, während es immer wieder mal Einschübe gibt, in der Betty ihre Geschichte mit Fero erzählt. Dabei bekommt man Einblicke in den Literaturbetrieb, aber auch eine Idee vom Kulturkampf, den eine Frau unweigerlich führen muss. Obwohl ich das Buch von Beginn an interessant fand, da ich Justizthriller mag, dachte ich mir in der ersten Hälfte häufiger, dass es stellenweise schneller voran gehen könnte. Aber dann hat sich die Vielschichtigkeit des Romans gezeigt und ab diesem Zeitpunkt war es so spannend, dass ich nicht mehr aufhören wollte und das Buch am liebsten in einem Rutsch gelesen hätte. Die Auflösung ist überraschend, aber sehr plausibel, was aufgrund der Komplexität wirklich eine Kunst ist. Die Handlung profitiert außerdem sehr davon, dass die Autorin als Juristin weiß, worüber sie schreibt. Ich bin sehr zufrieden mit diesem spannenden Buch und vergebe volle fünf Sterne.
Bewertung
5/5
28.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großartiges Buch
Pony Show - Juli Zeh
„Jeder Mann will mit über fünfzig noch sexuell aktiv und begehrenswert sein. Am besten für Jüngere. Aber wehe, eine Frau will das Gleiche.“
Dieses Buch hat Sogwirkung. Anfangen und nicht mehr aufhören.
Wem kann man glauben? Vor dieser Frage steht der Anwalt Mark Steinert.
Seine Mandantin Betty offenbart nur wenig, sie ist erfolgreiche Verlegerin und beim Grenzübertritt nach Ungarn mit einer Waffe und 125000€ Falschgeld erwischt worden.
Mittlerweile wird sie des Mordes an ihrem sehr viel jüngeren Geliebten bezichtigt.
Eigentlich will sie über diese Dinge nicht sprechen. Der Fall erregt Aufsehen, die Medien berichten.
Fast atemlos berichtet der Erzähler Marik von den Ereignissen, mit jedem Verhandlungstag kommen neue Informationen hinzu. Und Stück für Stück erzählt ihm Betty ihre Geschichte mit Fero. Er hat etwas in ihr ausgelöst, das sie bisher nicht gekannt hat und dieses Gefühl ist so stark, dass sie bereit ist, dafür fast alles aufs Spiel zu setzen. Betty ist eine starke Frau, die ihren Weg geht. „Das ist ein Prozess gegen das weibliche Geschlecht.“ (Betty in einem Interview ). Aber wenn es um Fero geht, zeigt sie ihre Verletzlichkeit.
Mark gerät zunehmend in den Bann der faszinierenden Betty.
Natürlich kennt sich Juli Zeh im Juristenmilieu sowie im Literaturbetrieb aus, aber hier geht es um mehr als juristische oder literaturwissenschaftliche Fragen. Darf eine ältere erfolgreiche Frau eine Beziehung zu einem jüngeren Angestellten haben? Hat sie den Verstand verloren? Aktivist*innen unterschiedlicher Couleur vereinnahmen den Prozess für ihre Interessen. Und so zeigt die „Pony Show“, das Medienspektakel, rund um den Prozess, dass wir gesellschaftlich übliche Muster (älterer Mann ist mit jüngerer Frau zusammen) vollständig anders bewerten, wenn sie umgekehrt werden.
Juli Zeh stellt einfach die Welt auf den Kopf. Ein psychologisches Kammerspiel voller spannender Charaktere.
„Vor Gericht ist es wie in der Literatur, nicht wahr, fragt sie. Wahrheit ist eine ästhetische Kategorie. Die schönste Geschichte gewinnt.“
Ein dynamisches Buch voller Überraschungen.
Ich finde es großartig.
Luchterhand 2026
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
23.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch im Spiegel seiner Zeit
Ein Buch im Spiegel seiner Zeit
„Pony Show“ von Juli Zeh habe ich angefasst, weil das Buch mit großer Aufmerksamkeit begleitet wird. Nachdem ich die letzten Werke der Autorin gern gelesen habe, blieb diesmal nach der anfänglichen Neugier auf „das Neue von Juli Zeh“ der Leseeindruck eines unterhaltsamen, thematisch ambitionierten, mitunter aber auch überladenen Werks.
Im Zentrum des Romans steht Bethany Hell, genannt Betty, eine über fünfzigjährige, verheiratete Verlegerin, die einen renommierten Literaturverlag in Hamburg leitet. In ihrem beruflichen Umfeld begegnet sie dem deutlich jüngeren Fero Lebed, einem talentierten Mitarbeiter, dessen Karriere sie gezielt fördert. Aus der engen Zusammenarbeit entwickelt sich eine komplizierte Beziehung, in der berufliche Abhängigkeit, Begehren und Macht ineinander übergehen. Während Betty sich emotional immer stärker auf Fero fixiert, bleibt unklar, was er tatsächlich für sie empfindet und in welchem Maß er ihre Zuneigung erwidert oder für seine eigenen Interessen nutzt. Dann verschwindet Fero. Betty wird mit einer Pistole, an der Blutspuren des jungen Mannes haften, und Falschgeld aufgegriffen. Obwohl keine Leiche gefunden wird, steht sie bald wegen Mordes vor Gericht. Ihre Verteidigung übernimmt Mark Steinert, für den der Prozess zum wichtigsten Fall seiner bisherigen Karriere wird. Er versucht, aus den widersprüchlichen Aussagen und den nur zögerlich preisgegebenen Informationen seiner Mandantin ein schlüssiges Bild zu gewinnen. Dabei entwickelt er nicht nur eine professionelle, sondern auch eine zunehmend obsessive Bindung an Betty und verliebt sich in sie. Je tiefer er in ihre Geschichte eintaucht, desto weniger kann er sich sicher sein, ob sie ihm die Wahrheit erzählt oder ihn ebenso geschickt lenkt wie die Menschen in ihrem Umfeld. Während im Gerichtssaal um die Beweislage gerungen wird, stilisieren die Medien Betty zur Projektionsfläche einer gesellschaftlichen Grundsatzdebatte. Es stellt sich die Frage, ob sie eine Frau ist, die ihre Machtposition ausnutzt, oder ob sie gerade deshalb verurteilt wird, weil sie sich Freiheiten nimmt, die Männern im gesellschaftlichen Diskurs eher zugestanden werden. Der Prozess wird zum öffentlichen Spektakel, und die Frage nach Feros Schicksal verschränkt sich zunehmend mit der Frage, wie sehr Wahrheit von persönlichen Interessen, Erinnerungen und gesellschaftlichen Erwartungen abhängt.
Zunächst einmal liest sich „Pony Show“ ausgesprochen flüssig. Ich habe das Buch in einem Zug gelesen, was nicht zuletzt an Juli Zehs zugänglicher Sprache liegt. Sie schreibt klar, pointiert und ohne unnötige sprachliche Verästelungen. Ihre Sätze sind häufig prägnant, ihre Analogien anschaulich und ihre Beobachtungen auf Wirkung hin formuliert. Juli Zeh versteht es, komplexe Sachverhalte in eine Sprache zu überführen, die unmittelbar verständlich bleibt. Darin liegt eine Stärke, die man nicht mit literarischer Simplifizierung verwechseln sollte. Zugänglichkeit ist schließlich eine Kunst für sich. Und sie führt hier zum barrierefreien Lesevergnügen.
Die Handlung entwickelt einen Sog, dem man sich nur schwer entzieht. Neue Informationen verschieben die Perspektive, Gewissheiten geraten ins Wanken, und immer wieder stellt sich die Frage, was tatsächlich geschehen ist und wem man überhaupt glauben kann. Juli Zeh beherrscht das Spiel mit Erwartungen und Verdachtsmomenten. Allerdings ist ihr Roman auch ein Beispiel dafür, dass erzählerische Dynamik nicht zwangsläufig aus einer immer größeren Zahl von Wendungen entsteht. Mit zunehmender Lektüre stellt sich eine gewisse Ermüdung ein. Nicht jede neue Volte vertieft den Konflikt, bisweilen verlängert sie ihn lediglich. Auch die Liebesgeschichte zwischen Anwalt und Mandantin fügt sich in diese Tendenz ein. Sie lässt das ohnehin komplexe Geschehen noch konstruierter erscheinen. Insgesamt hätte der Roman an einigen Stellen von mehr Zurückhaltung profitiert.
Seine eigentliche Bedeutung gewinnt „Pony Show“ ohnehin weniger aus der Frage nach dem Tathergang als aus dem gesellschaftlichen Resonanzraum, den Juli Zeh um den Fall errichtet. Hier zeigt sich ihr ausgeprägtes Gespür für den gesellschaftlichen Diskurs. Sie greift Themen auf, die unsere Gegenwart prägen, und führt sie in einer konkreten Geschichte zusammen, Feminismus und Patriarchat, weibliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Altersbilder, toxische Beziehungen und Machtmissbrauch, sexuelle Rollenbilder, die Mechanismen sozialer Medien, digitale Empörungskultur sowie das Verhältnis von Recht, Wahrheit und öffentlicher Meinung. Hinzu kommen Fragen nach der Funktionsweise der Justiz, nach medialer Vorverurteilung und nach der Macht von Erzählungen, die sich gegenüber den tatsächlichen Ereignissen verselbstständigen.
Der Roman macht sichtbar, wie sehr die öffentliche Wahrnehmung von den Geschichten abhängt, die über einen Menschen erzählt werden. Die Wahrheit muss sich gegen Deutungen behaupten, die längst ein Eigenleben entwickelt haben. In diesem Sinne ist der Gerichtssaal nicht nur ein Ort der Rechtsprechung, sondern auch eine Bühne, auf der um Glaubwürdigkeit und Deutungshoheit gerungen wird. Der Titel “Pony Show“ verweist treffend auf diese Dimension des Spektakels.
Dass ich das Buch in einem Zug gelesen habe, spricht für seine erzählerische Zugkraft. „Pony Show“ ist für mich im gesamten weniger ein rundum überzeugender Roman oder ein zeitgemäß thrillender Krimi als ein aufschlussreiches Dokument seiner Gegenwart. Ein Buch, das wichtige Konflikte sichtbar macht, seine Leser zum Mitdenken auffordert. Ich verstehe nach der Lektüre, warum das Buch Aufmerksamkeit auf sich zieht. Deshalb und nicht nur deshalb ist es für mich lesenswert, 4,5 Sterne.
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5/5
29.10.2026
eBook (ePUB)
"Das ganze Leben ist eine Inszenierung"
Erfolgreicher Anwalt Mark steht vor einer neuen Herausforderung als Betty H., bekannter Name aus der Literaturszene, plötzlich wegen Mordverdachts vor Gericht steht. Was, aufgrund von Unschuldsvermutung und keiner Leiche, eine einfach zu lösende Situation sein sollte, entpuppt sich als einen allumfassenden Fall, voller Lügen, Gefühlen und Geheimnissen.
Spannend geschrieben, lässt dieses Buch einen nicht mehr los. Was wirklich geschehen ist erfährt der Leser erst ganz zum Schluss.
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5/5
17.10.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Wahrheit oder Lüge?
Bonnie und Clyde, großartig, nicht nur der Erzählstil. Strafverteidiger Mark versucht von Betty den tatsächlichen Tathergang zu erfahren. Sie erzählt uns häppchenweise die Wahrheit oder ihre Wahrheit, während den Gerichtspausen. Ist sie die Mörderin von Fero? Die Leiche fehlt, spielte der Junge Fero nur mit ihr? Oder war es doch umgekehrt. Wer spielt hier mit wem? Spannend wie ein Krimi. Fero, der Autor seiner Lebensgeschichte. Ein Wow-Buch-Ende. Absolute Empfehlung.
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