Zwei Frauen kämpfen für ihre ZukunftMitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Island
aus Nürnberg
5/5
10.09.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Verschiedene Lebenswelten
Der neue Roman von Brigitte Glaser spielt Mitte der Siebzigerjahre am Kaiserstuhl. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Jugendfreundinnen, Johanna und Luzie. Beide ziehen zusammen nach Freiburg, um zu studieren. Johanna muss das Studium jedoch bald abbrechen und auch die Reisepläne mit Luzie begraben, weil ihr Vater stirbt und sie im heimischen Weinbaubetrieb unterstützen muss und sie zudem schwanger ist. Luzie reist allein durch Marokko und nach ihrer Rückkehr beteiligen sich beide an den Protesten gegen den Bau eines Kernkraftwerkes. Allerdings steht einiges zwischen ihnen, was nicht wirklich geklärt ist.
Mir hat es gut gefallen, in die Lebensrealität von zwei jungen Frauen in den 70er-Jahren einzutauchen, als die Gleichberechtigung von Frauen noch nicht annähernd so weit fortgeschritten war wie heute. Auch der Einblick in die Protestbewegung gegen das Kernkraftwerk war interessant. Ich hätte mir aber gewünscht, dass auch Johannas Arbeit am Weingut noch etwas mehr Raum einnimmt, da Titel und Klappentext das vermuten lassen haben. Beide junge Frauen waren mir sympathisch, Luzie vielleicht manchmal einen Tick zu naiv, und ich habe ihre Geschichte und den Ausgang der Proteste mit Spannung verfolgt. Ich habe alles als Hörbuch angehört und war mit der Sprecherin sehr zufrieden. Sie hatte eine angenehme Stimme und man konnte ihr sehr gut folgen.
MirjS
aus Essen
5/5
10.08.2026
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Anfangs skeptisch, dann total gefesselt
Kaiserstuhl, Baden-Württemberg, Mitte der 70er Jahre. Der Bau eines Kernkraftwerks in Wyhl ist geplant. Der Bau soll beginnen, doch Teile der Bevölkerung erheben sich. Genau hier setzt Autorin Brigitte Glaser mit ihrem Roman „Sonnenberg“ an und erzählt die Geschichte zweier junger Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie erzählt von Protest, Widerstand, Freundschaft, Zusammenhalt und Veränderung.
Ich persönlich mag ja Bücher, die nicht nur eine gute Geschichte zu erzählen haben, sondern von denen man auch schlussendlich auch noch etwas lernt. Da ich erst zum Ende der 70er Jahre hin geboren wurde, ist die ganze Anti-Atomkraft-Bewegung an mir vorbei gegangen. Man hat natürlich davon gehört, sich aber nicht weiter damit beschäftigt… jedenfalls nicht bis zu diesem Buch, das mich echt neugierig gemacht und vieles hat nachlesen lassen. Besonders gefallen hat mir, dass nicht nur die damaligen Geschehnisse im Mittelpunkt stehen, sondern diese und der ganze 70er „Spirit“, einfach durch die Augen der beiden Freundinnen Johanna und Luzie gesehen und geschildert werden. Dabei ist besonders interessant, dass sie aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen, also mit jeweils ganz anderen Problemen zu kämpfen haben.
Insgesamt empfand ich den Schreibstil als sehr angenehm, direkt, authentisch und dadurch auch sehr schnell einnehmend. Jedenfalls hatte ich keinerlei Probleme in die Story und die 70er Jahre hineinzufinden. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich nur den ersten Teil des Buches selbst gelesen habe, dann aus Lesefaulheit auf das Hörbuch umgestiegen und daran hängengeblieben bin, da es einfach so viel Freude gemacht hat Sprecherin Ulrike Kapfer zuzuhören, insbesondere durch den nachgeahmten Dialekt.
Fazit: Dafür, dass ich dem Buch anfangs einerseits neugierig, aber auch ebenso skeptisch gegenüberstand, hat es mich dann doch sehr schnell gefesselt und begeistert. Ich fand es gut recherchiert, interessant, fesselnd und somit absolut lesens- bzw. hörenswert!
Bewertung
5/5
03.08.2026
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Zwischen Weinbergen und Widerstand
„Sonnenberg“ hat mich als Hörbuch von der ersten Minute an mitgenommen. Die Geschichte verbindet eindrucksvoll persönliche Schicksale mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1970er-Jahre. Besonders Johanna ist eine starke Protagonistin, deren Weg zwischen familiärer Verantwortung, Selbstbestimmung und politischem Engagement glaubwürdig und berührend erzählt wird. Die Atmosphäre am Kaiserstuhl ist so lebendig beschrieben, dass man die Weinberge förmlich vor sich sieht. Auch die Hörbuchsprecherin verleiht den Figuren viel Persönlichkeit und transportiert die Emotionen überzeugend. Historische Hintergründe und fiktive Handlung greifen stimmig ineinander und machen den Roman zu einem bewegenden Hörerlebnis. Ein facettenreicher Roman über Mut, Zusammenhalt und den Wunsch, die eigene Zukunft selbst zu gestalten.
Bewertung
aus Horn-Bad Meinberg
5/5
31.07.2026
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Widerstand lohnt sich
Mit "Sonnenberg" liegt ein Roman vor, der die geneigten Leser*innen an den Kaiserstuhl in den 1970er Jahren entführt. Hier leben die beiden Freund*innen Johanna und Luzie: Die eine ist alleinerziehende Mutter und Winzerin, die versucht ihren Weinberg wirtschaftlich rentabel zu halten und zu erweitern, die andere hingegen eine Geschichtsstudentin, die wegen Drogenschmuggel ziemlich in der Bredoullie sitzt. Beide erleben den alltäglichen Sexismus einer patriachal-autoritären Gesellschaft, aber auch den Aufbruch durch das Entstehen der Anti-AKW-Bewegung in Wyhl, durch die eine neue Gemeinschaft möglich erscheint. Das Buch ist sehr lebendig und spannend geschrieben, so dass ich es innerhalb weniger Tage ausgelesen habe. Gerade der politische Bezug zur Anti-AKW-Bewegung hat mir persönlich sehr gut gefallen und aufgezeigt, was der Widerstand vieler erreichen kann. Das Hörbuch wird von Ulrike Kapfer eingesprochen und es gelingt ihr auf besondere Art und Weise die Hörenden zu berühren.
bookloving
4/5
28.10.2026
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Im Schatten von Wyhl - Eine beeindruckende Reise in die 1970er Jahre
In ihrem beeindruckenden historischen Roman „Sonnenberg“ entführt uns Brigitte Glaser in den Kaiserstuhl Mitte der 1970er-Jahre, wo sich in den Monaten Januar bis April des Jahres 1975 der erbitterte Widerstand gegen den geplanten Bau des Kernkraftwerks bei Wyhl formierte.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der beiden jungen Frauen Johanna und Luzie, deren Lebenswege kaum unterschiedlicher sein könnten. Die unverheiratete Johanna ist gerade Mutter geworden und versucht nach dem plötzlichen Tod des Vaters, gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter das familiäre Weingut weiterzuführen, während die aus wohlhabenden Verhältnissen kommende Luzie nach einem längeren Rechercheaufenthalt in Marokko für ihr Geschichtsstudium in ihre Heimat zurückgekehrt ist.
Durch unterschiedliche Erlebnisse und Lebensentscheidungen haben sich die einst eng verbundenen Freundinnen voneinander entfremdet. Im gemeinsamen Kampf gegen das geplante Atomkraftwerk kommen sie sich allmählich wieder näher, doch unausgesprochene Enttäuschungen und Geheimnisse sorgen immer wieder für neue Spannungen.
Gekonnt verwebt die Autorin die fiktive Erzählung rund um die beiden Freundinnen, ihre Alltagssorgen und Hintergrundgeschichten mit den hervorragend recherchierten historischen Fakten und interessanten Details über die Protestbewegung gegen das Kernkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl. Hautnah erleben wir an der Seite der beiden Protagonistinnen die Geschehnisse rund um Wyhl, die mit der Besetzung und Räumung des Geländes, politischen Widerstand gegen die Staatsmacht und Bau eines Widerstandslagers zu einem prägenden Ereignis für die entstehende Umweltbewegung wurden. Glaser versteht es hervorragend, die unterschiedlichen Beweggründe und diversen Meinungsverschiedenheiten der sehr heterogenen Bürgerbewegung aufzuzeigen, die sich damals dem Protest anschlossen. Ob nun engagierte Umweltschützer, Studenten, Feministinnen, politische Aktivisten oder konservative Winzer und Landwirte aus der Umgebung, die ihre Lebensgrundlage und die Zukunft ihrer Höfe akut bedroht sahen - sie alle fanden sich im gemeinsamen Protest zusammen und sorgten mit ihren Erfahrungen, Talenten, Kreativität, Mut und ihrer Hartnäckigkeit letztlich für den Erfolg ihrer gewaltfreien Widerstandsaktionen.
Schrittweise erhalten wir facettenreiche Einblicke in die damalige politische und sich wandelnde gesellschaftliche Stimmung Mitte der 1970ger Jahre.
Besonders gelungen ist, dass Glaser die gesellschaftlichen Strukturen nicht bloß erklärt, sondern im Alltag erlebbar gemacht hat. Frauenrechte, patriarchale Rollenbilder, Klassenunterschiede oder auch politische Spannungen zeigen sich nicht nur in Gesprächen, sondern werden auch bei den Abhängigkeiten und Entscheidungen der Figuren sichtbar. Anhand von eingeflochtenen Musiktiteln, politischen Schlagworten und die ausführlichen Schilderung des dörflichen Lebens lassen die 1970er-Jahre äußerst anschaulich vor dem inneren Auge lebendig werden. In eindrucksvollen Episoden vermittelt Glaser zudem die aufkommende Selbstermächtigung und das erwachende erwachende Demokratieverständnis auch eher politisch uninteressierter Bürger. Kein Wunder, dass die hochdynamischen Prozesse im Wyhler-Lager und die Akteure der Protestbewegung heimlich vom Staatsschutz argwöhnisch überwacht wurden.
Mit Johanna und Luzie hat die Autorin zwei vielschichtige Persönlichkeiten mit Stärken und Schwächen geschaffen. Ihre gegensätzlichen Lebenswelten machen die sozialen Unterschiede der Zeit besonders anschaulich: Auf der einen Seite steht Johanna, die hart auf dem Weingut arbeitet und als unverheiratete Mutter eines unehelichen Kindes mit dem gesellschaftlichen Makel leben muss. Auf der anderen Seite steht Luzie, die mit Studium, Reisen und familiärem Wohlstand der privilegierten Seite der Gesellschaft angehört und ihr Leben genießen kann. Zudem zeigt die Autorin eindringlich auf, wie abhängig Frauen damals von männlichen Entscheidungen waren.
Beeindruckend ist, wie Johanna trotz begrenzter Möglichkeiten um Anerkennung als eigenverantwortliche Winzerin kämpft, Verantwortung übernimmt und unbeirrt ihren eigenen Weg geht. Doch auch Luzie ist nicht frei, denn sie ist in die Erwartungen ihrer Familie verstrickt und trägt ein belastendes Geheimnis mit sich, das die Handlung über weite Strecken begleitet.
Obwohl die Konflikte der Protagonistinnen nachvollziehbar beschrieben sind, bleibt eine gewisse emotionale Distanz zu ihnen.
Weniger überzeugend fand ich die vielen Nebenstränge rund um Luzie. Die Rückblenden und die ständigen Andeutungen zu ihrem Geheimnis wirken stellenweise überladen und bremsen den Erzählfluss, sodass die anfangs aufgebaute Spannung deutlich an Wirkung einbüßt.
Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass der Wyhl-Konflikt noch stärker im Zentrum steht, denn so muss dieser zeitweise hinter die privaten Geschichten zurücktreten. Gerade die Dynamik der Proteste und die konkreten Folgen für die Menschen vor Ort hätten mehr Raum verdient.
Etwas unvermittelt kam für mich das offene Ende, das Spielraum für die weitere Entwicklung der Figuren lässt und womöglich eine Fortsetzung mit den beiden Protagonistinnen andeutet.
FAZIT
Ein unterhaltsamer Roman über Freundschaft, Selbstbestimmung und den gesellschaftlichen Wandel der 1970er-Jahre und eine lesenswerte literarische Auseinandersetzung mit einem bedeutenden Kapitel deutscher Zeitgeschichte!
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