Robert Seethaler beschreibt in diesem Buch die Geschichten, Gedanken, Handlungen und Konversationen der in der Heidestraße lebenden Anwohner. Es ist unaufgeregt geschrieben und die bildliche Darstellungen der Örtlichkeiten und Personen halten sich in Grenzen. Oft weiß man auch nicht, wessen Geschichte und Gedanken gerade erzählt werden. Es zeigt die Alltäglichen Probleme und Handlungen.
Dennoch ist dieses Buch mehr als interessant und auf einer eigenen Art und Weise auch fesselnd. Manchmal musste ich wegen der trockenen Schreibweise und den Konversationen schmunzeln und habe das beschriebene auch auf mein Umfeld übertragen. Es ist leicht und angenehm zu lesen und lässt Spielraum für die eigene Vorstellungskraft zu. Der Inhalt ist logisch und nachvollziehbar und regt in Teilen auch zum Nachdenken an. Vieles in diesem Buch lässt sich auf reale Straßengemeinschaften übertragen.
Am wichtigsten an einem Buch ist mir, dass ich gerne weitergelesen hätte, sofern es noch weiter gegangen wäre. Das war hier der Fall.
Bewertung
5/5
12.07.2026
eBook (ePUB)
Unaufgeregt interessant
Der Roman zeigt das Leben in den Häusern einer Straße in einer Kleinstadt - ohne Glamour, ohne Drama - ganz normaler Alltag.
Nacheinander lernt der Leser die Charaktere kennen. Dabei wird nicht nur zwischen den Häusern gewechselt, sondern auch in der Zeit gesprungen. Die Geschichten von ihren Sorgen, Freuden und Charaktereigenschaften sind authentisch. Man verfolgt die Entwicklungen der Personen über die Jahre hinweg, die eher nebeneinander verwohnen, bis äußere Umstände sie vor eine Herausforderung stellen. Bei der gemeinsamen Suche nach einer Lösung wachsen sie zu einer Gemeinschaft zusammen.
Wie wir es von Seethaler gewohnt sind, ist die Geschichte in einem nüchternen und unaufgeregten Schreibstil verfasst. Dieser passt wunderbar zu den Alltagsbeschreibungen der Bewohner.
Mich haben die Geschichten der Leute der Straße gefesselt, eben weil es so unaufgeregt und echt geschrieben ist.
Nightingale
5/5
14.06.2026
eBook (ePUB)
Geschichte des Wandels
Statt eine Handlung eines einzigen Protagonisten, präsentiert Robert Seethalers "Die Straße" als Handlung den Wandel einer belebten Straße nach dem (wahrscheinlich) zweiten Weltkrieg und ihrer Bewohner sowie der dort ansässigen Geschäftstreibenden.
Der Stil des Romans wechselt häufig, den Geschehnissen entsprechend. Die Vielzahl an Protagonisten bleibt größtenteils namenlos, ist aber immer perfekt zuordenbar. So begleiten wir
-eine unglücklich verliebte Floristin, die Briefe an den Mann schreibt, dem sie ihr Herz geschenkt hat, selbige Briefe aber nie abschickt
- einen Bücher-Antiquar (mein Lieblingshandlungsstrang), der versucht, seine Schätze vor der Welt zu beschützen und immer wieder auf neue Probleme stößt
- einen zur Gewalt neigenden jungen Mann
- Bewohner eines Altenheims
- zwei immer im Dialog geschriebene Unbekannte, die sich nie einig werden
- einen alternden Polizisten, der erfolglos versucht, mehr Polizeipräsenz für das Straßenfest zu erwirken ...
... und noch so viele mehr.
Das Buch ist oft witzig, stimmt manchmal nachdenklich, hin und wieder sehr poetisch geschrieben und spielt auf wirklich intelligente Weise mit Erwartungen (ein Beispiel: häusliche Gewalt), um diese dann gekonnt über den Haufen zu werfen.
Ich persönlich empfinde den Roman als makellos. Wenn ich eine Sache nennen müsste, die gerne anders sein könnte, wäre es die dann doch ziemlich überschaubare Länge von gerade mal 230 Seiten, die sich extrem schnell durchliest. Die Geschehnisse und Charaktere werden mich auf jeden Fall noch sehr lange begleiten - das Buch ist ein Meisterwerk!
Niko
aus Austria
5/5
18.05.2026
eBook (ePUB)
ein Mosaik aus Geschichten
Robert Seethaler erzählt in seinem neuen Buch Die Straße viele Geschichten, die eines gemeinsam haben: eine Straße, die zeitlos ist und überall sich befinden könnte.
An diesem Ort schildert Seethaler kurze Geschichten sowie kürzere oder längere Momente aus dem Leben der Bewohner. Manche Geschichten sind ausführlicher, sodass man sich die Charaktere besser vorstellen kann, andere sind sehr kurz.
Sehr interessant finde ich, wie der Autor so viele Themen auf einer einzigen Straße unterbringen kann. Er erzählt unter anderen von Leben und Tod, Liebe und Verlust, Einsamkeit und Zugehörigkeit. Der Autor ist ein sehr guter Beobachter; er findet immer das, was gerade im Leben gewöhnlicher Menschen passiert.
Der Schreibstil ist zwar flüssig, man muss sich jedoch schnell daran gewöhnen, wann die Geschichte eine andere Richtung einschlägt, da dies im Buch sehr schnell und häufig geschieht.
Insgesamt ein gutes Buch, das ich gerne weiterempfehlen kann. Aus so vielen Kleingeschichten werden sicherlich einigen in Erinnerung bleiben.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
15.05.2026
eBook (ePUB)
Ungewöhnlich
Robert Seethaler gelingt mit Die Straße ein Roman, der sich bewusst jeder klassischen Erzählstruktur entzieht, aber gerade dadurch eine ganz eigene Faszination entwickelt. Das Buch wirkt zunächst wie eine lose Sammlung von Notizzetteln: kurze Dialoge, behördliche Mitteilungen, Beobachtungen, Erinnerungen und Gedankensplitter reihen sich scheinbar ungeordnet aneinander. Doch nach und nach entsteht daraus ein erstaunlich lebendiges Gesamtbild.
Im Mittelpunkt steht die Heidestraße mit ihren Bewohnern, ihren kleinen Dramen, Gerüchten und Veränderungen. Ein Altersheim, ein neu eröffnetes Antiquariat, Nachbarschaftstratsch oder die Entmietung eines Hauses. Seethaler erzählt nicht die große spektakuläre Geschichte, sondern das Leben selbst. Gerade die vielen alltäglichen Szenen verleihen dem Roman eine besondere Authentizität und Nähe.
Besonders reizvoll ist die Art, wie man als Leser oder Leserin ständig mitdenken muss. Oft bleibt zunächst unklar, wer gerade spricht oder auf wen sich eine Szene bezieht, denn Namen werden nur sparsam verwendet. Dadurch entsteht fast ein spielerischer Effekt. Man setzt die einzelnen Textstücke wie ein Puzzle zusammen. Mit jeder Seite werden die Zusammenhänge deutlicher, bis sich am Ende ein beeindruckend dichtes Bild der Straße und ihrer Menschen ergibt.
Seethalers Sprache ist knapp, präzise und dennoch voller Atmosphäre. Mit wenigen Worten gelingt es ihm, Figuren und Situationen greifbar zu machen. Gerade diese Reduktion macht den Roman so intensiv und ungewöhnlich.
Die Straße ist ein stilles, klug komponiertes Buch über Gemeinschaft, Einsamkeit und die vielen kleinen Geschichten, die sich täglich direkt neben uns abspielen. Ein Roman, der zunächst unscheinbar wirkt, aber lange nachhallt. Für mich war es ein echtes „Ein-Tag-Buch“. Einmal begonnen, konnte ich es kaum aus der Hand legen. Eine klare Leseempfehlung.
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5/5
11.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Seethaler ist ein stiller Beobachter
Eine Straße die in jeder Stadt sein könnte..... Bewohner die Träume und Geheimnisse haben.....
Ein wundervoller Roman der durch Momentaufnahmen und kurzen Lebensgeschichten besticht.
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4/5
29.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Straße
Seethaler zeichnet sich durch seine klare, karge Sprache aus.
Die Figuren sind wie auch in seinen vorangegangenen Büchern, introvertierte, ruhige, einfache Menschen, die Einzeln für sich sprechen.
Die Straße ist das Zentrum dieser Protagonisten.
Schönes Buch, sprachlich nach den vielen Psychothrillern der letzten Wochen ein Genuss.
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3/5
24.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hat mich diesmal mäßig überzeugt
Da mich 'Das Café ohne Namen' von Robert Seethaler wirklich beeindruckt hat, blieb 'Die Straße' diesmal eher hinter meinen Erwartungen zurück. Manche Dialoge wirkten auf mich unübersichtlich, sodass ich oft nicht wusste, wer sich gerade unterhält. Die Kapitel wechselten sprunghaft zwischen den Szenen, was mich stellenweise eher verwirrte. Trotz einzelner stimmungsvoller Passagen fehlte mir insgesamt die Tiefe in der Geschichte.
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