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Michaela Kohlhaas Roman | Eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

28879

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.05.2026

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

253

Maße (L/B/H)

20,7/12,8/2,4 cm

Gewicht

379 g

Farbe

Rost

Auflage

2

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-43280-8

Beschreibung

Rezension

»Das ist nicht nur als Gegenfolie zu Kleists Novelle, sondern als Gegenwartsdiagnose hochinteressant und lesenswer.« ("WELT AM SONNTAG")
»›Michaela Kohlhaas‹ ist großes Theater. Eine Revolution in Gedanken, der die Sprache auf sanften Füßen folgt. Man muss diesen Roman lesen, nicht nur weil er eine aberwitzige Geschichte hat, sondern weil seine Sätze der Hauptfigur überaus zart auf den Leib gestickt sind.« ("Neue Zürcher Zeitung")
»Geißlers eigene Wortgewandtheit, ihr Sinn für starke Bilder, ihre klare Sicht auf unlösbares Übel tun sich damit zusammen zu einem Stück großer Literatur.« ("Frankfurter Rundschau")
»Geißlers Sprache lebt in ihrer Direktheit von Wortwitz sowie dialektischer Spannung ... [Ein] großartiger Roman ...« ("wochentaz")
»Was dieses Buch so faszinierend macht, ist die unglaubliche Kraft, die Poesie und der Reichtum der Sprache dieser Autorin. Mit ihr formt sie diese konkrete Frau zum wandelnden Symbol, real und mythisch zugleich.« ("Dresdner Neueste Nachirchten")
»Eine radikale Gesellschaftskritik. ... [Heike Geißler erzählt mit] geschliffener Sprache und viel Wortwitz ...« ("Kurier")
»Es ist ein Buch voller starker, realistischer Bilder. Sie flirren mitunter ins Surreale. Ein ungewöhnlicher Erzählstil trägt dazu bei. ... Einerseits bewundert [die Ich-Erzählerin] den Mut und die Unbedingtheit der Anarchistin und probiert vergeblich den eigenen Ausbruch. Andererseits beobachtet sie mit Befremden deren Trotz und Starrsinn, der bis in die Selbstzerstörung führt. Diese zwiespältige Sicht dürften Leserinnen und Leser teilen. Mit Michaela Kohlhaas wird man so schnell nicht fertig.« ("Sächsische Zeitung")
»Geißler gelingt es mit bissigem Humor, ihre Figur zu einerProjektionsfläche zu machen, in der sich Ängste und Vorurteile gegenüber allem Fremden und anderen vereinen – odereinfach nur gegenüber jenen, die es wagen, das Bestehende infrage zu stellen und sich dagegen aufzulehnen.« ("Berliner Morgenpost")
»Michaela Kohlhaas lässt sich auf mehrere Arten lesen, auch als feministischer Schelminnenroman. Diese Uneindeutigkeit ist eine große Stärke. Und das Fremdeln mit der Sprache und der Figur ist von Geißler gewollt. ... Der Text ist anspielungsreich, humorvoll und bisweilen surreal ...« ("Märkische Oderzeitung")
»Verstörend und intensiv liest sich diese Geschichte, die einen anderen Blick auf die Gesellschaft erzwingt.« ("Nürnberger Nachrichten")

Produktdetails

Verkaufsrang

28879

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.05.2026

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

253

Maße (L/B/H)

20,7/12,8/2,4 cm

Gewicht

379 g

Farbe

Rost

Auflage

2

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-43280-8

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag
Torstraße 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de

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  • Bories vom Berg

    aus München

    2/5

    29.10.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Gut gemeint reicht nicht

    Der Titel des neuen Romans «Michaela Kohlhaas» von Heike Geißler weist überdeutlich auf die berühmteste Novelle der deutschen Literatur hin, die 1810 von Heinrich von Kleist erschienen ist. Es ist nicht die erste Adaption dieses Stoffes, ein ältere unter dem Titel «Ragtime» stammt von dem Amerikaner E. L. Doctorow, der seinen Helden Coalhouse Walker genannt hat. Wie Heike Geißler im Interview erklärte, war es ursprünglich ihre Absicht, den originalen Stoff auf die Gegenwart zu adaptieren, eine parallele Erzählung erwies sich dann aber aus verschiedenen Gründen als unmöglich. Und so habe sie sich, auch dem Weiblichen besser entsprechend, dann doch lieber für eine gemäßigte Version des Protestes und Widerstandes ihrer Heldin entschieden und ihre Protagonistin als eine sanfte Anarchistin angelegt. Es gäbe bei ihr auch keine Initialzündung wie bei Kleist, weil letztendlich ja doch alles zu spät sei, heutzutage! Und so hat sie mit Michaela Kohlhaas eine radikale Aussteigerin erschaffen, deren Form des Widerstands darin besteht, selbst der Sand im Getriebe zu sein. «Die Kohlhaas», wie sie im Roman genannt wird, nimmt damit Rache für die Ungerechtigkeiten unserer total verrohten Welt. Heraus gekommen sei dabei aber «kein Märchen, das gut ausgeht, auch wenn man sich das wünscht». Die Protagonistin dieses in zwölf Kapiteln chronologisch über ein Jahr hinweg erzählten Romans ist eine etwa vierzigjährige stellvertretende Friedhofs-Verwalterin, die allein stehend und kinderlos in Leipzig lebt. Als sie erfährt, dass die Tronkenburg, ihre geliebte Stammkneipe, von einem Immobilienhai übernommen wurde, ist sie entsetzt. Spontan lässt sie alles stehen und liegen, meldet sich telefonisch bei der Arbeit ab, packt ein paar Habseeligkeiten ein und bricht voller Empörung auf, ohne zu wissen, wohin. Sie lebt fortan als Obdachlose, die durch ihren demonstrativen Freiheitsdrang und ihre hasserfüllten Reden die Leute auf der Straße provoziert, die immer mehr verwahrlost, verdreckt und stinkt. Mal findet sie Unterkunft in einem im Winter leer stehenden Schlösschen, besorgt sich einen Planwagen, in dem sie haust, und wird immer bekannter auch weit über Leipzig hinaus. Schließlich wird dann sogar das Fernsehen auf sie aufmerksam und lädt sie zu einer Talkshow ein. «Ich sage ja nichts, was sie nicht selbst wissen,» meint der Moderator, «aber Sie riechen wirklich nicht gut, Sie stinken, so muss ich es sagen». Die Kohlhaas nickt: «Es ist auch gar nicht so leicht, in Ihrer Nähe zu sitzen, dabei scheinen Sie recht gut zu riechen.» Auf die letztendlich ja durchaus berechtigte Frage, was sie denn ändern würde, bleibt sie ihm die Antwort schuldig! Für all das Verstörende in ihrem Roman findet Heike Geißler eine angemessene, stimmige Sprache. Sie setzt eine Frau als namenlose Ich-Erzählerin ein, die Michaela Kohlhaas vom Friedhof her kennt und die aus ihrer vernunftgeprägten Sicht distanziert deren unbeherrschte Obsession schildert. Ein wenig irritiert dabei ist die Tatsache, dass «Die Kohlhaas» ja nicht Rache will für selbst erlittenes Unrecht wie bei Kleist, sie zieht wie eine Hexe fluchend und Verwünschungen ausstoßend durchs Land in der trügerischen Hoffnung, dadurch etwas bewirken zu können. Sie agiert also, auf ein gutes Ende hoffend, mit maßloser Wut, mit Übertreibung, Sabotage, Zerstörung. Aber sie ahnt auch, ein gutes Ende wird es nicht geben! Heike Geißler hat in dem Interview die Frage, ob Literatur ein Medium sei, um Gerechtigkeit zu üben, klar mit Ja beantwortet. «Am Umgang mit Obdachlosen misst sich die Brutalität der Welt» erklärte sie und fügte hinzu: «Wir sind so kurz auf dieser Erde, da kann man doch aufeinander kucken». Gleichwohl, so originell die Idee für diesen wohlmeinenden Plot auch ist, so wenig überzeugend ist der daraus entstandene. feministische Roman. Alles wirkt arg konstruiert daran, insbesondere weil das Rachemotiv hier ja absolut nicht verfängt. Außerdem wirkt diese merkwürdig abrupte «Auto-Agression» der Kohlhaas total aufgesetzt, und der Rache-Aspekt an der gesamten Gesellschaft ist hier ja sowieso von vornherein zum Scheitern verurteilt. Gut gemeint reicht eben nicht!

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