Croydon Harbour, ein verschlafener kleiner Ort an der Küste Labradors, 1968. Die Aufbruch- und Proteststimmung der Zeit ist nicht bis in diese abgelegene Gegend vorgedrungen, als ein freudig erwartetes Baby zur Welt kommt. Doch dieses Kind ist anders: nicht ganz Junge und auch nicht ganz Mädchen. Die Eltern - in erster Linie jedoch der Vater - entscheiden, es als Jungen aufwachsen zu lassen. Aber das männliche Rollenbild, verhaftet in alten Traditionen und bestimmt durch Jagen und Fischen, bleibt dem Jungen fremd. Und er sucht einen Weg, um zu sich selbst zu finden und selbstbestimmt leben zu können. Zur Seite steht ihm dabei eine gute Freundin der Eltern, die um sein Geheimnis weiß.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Lines Books
aus Nentershausen
5/5
25.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eindringlicher und vielschichtiger Roman
Leider musste ich feststellen dass dieses Buch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Was ich persönlich wirklich schade finde, denn es ist ein wahrer Pageturner der mich emotional gesehen echt umgehauen hat.
Daher bekommt es von mir natürlich eine klare Leseempfehlung!
Fazit:
Mit „Sein Name war Annabel" gelingt Kathleen Winter ein intensiver, emotionaler und bewegender Roman der mich restlos begeistert hat.
Authentische Charaktere, ein einnehmender Schreibstil und eine bewegende Handlung überzeugten mich auf ganzer Linie!
bookslove1511
5/5
25.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz Besonderes
1968, Croydon Harbour, ein verschlafener kleiner Ort an der Küste Labradors. Hier leben Jacinta und Treadway glücklich verheiratet und erwarten ihrer erstes Baby. Doch die Freude verblasst schon bei der Geburt, denn dieses Kind ist anders: nicht ganz Junge und nicht ganz Mädchen. Ein Geschlecht bis dahin in der kleinen Ortschaft keiner gesehen hat. Die Mutter sieht in das Baby ihr Mädchen aber der Vater entscheidet es als Junge aufwachsen lassen, nennt ihn Wayne. Treadway gibt alles, um ihn als Junge zu erziehen, bringt ihn jagen, fischen, zimmern bei. Jacinta dagegen ist oft ratlos und immer auf der Versuchung zwischen ihrem Kind und ihren Mann zu finden. Nur die Thomasina, die Freundin der Eltern, kennt das Geheimnis und nennt Wayne heimlich Annabel, nach ihrer verunglückten Tochter. Nur sie behandelt ihm nicht nur als Junge oder Mädchen, sondern als Mensch. Und Wayne findet nur bei ihr Unterstützung auch nach 21 Jahren als Erwachsender...
Mein einstieg in das Buch war sehr langsam und das Kennenlernen mit dem Figuren hat es etwas gedauert, denn Winter lässt sich Zeit und erzählt detailgetreu. Doch sobald ich in die Geschichte war, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Obwohl die Autorin viele verschiedene Gefühle oft distanziert auf dem Papier gebracht hat, haben die mich trotzdem mitgerissen. Stellenweise hat sie mich von einer emotionalen Szene zu den nächsten katapultiert. Die Ängste, Liebe und Scham der Eltern, und die Verlorenheit, Mut und die Unsicherheit von Wayne konnte ich mir sehr gut vorstellen.
Kathleen Winter hat ein Wort/Bildgewaltigen Roman über Intersexualität und über den gesellschaftlichen Akzeptanz mit dem Hermaphroditismus geschrieben. Welche der zurückhaltend, ruhig aber mit sicherem Stil erzähl wird.
Aischa
aus Kissing
3/5
06.12.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Junge oder Mädchen oder ...?
Journalistin und Schriftstellerin Kathleen Winter nimmt uns in dieser mehr als außergewöhnlichen Geschichte mit in ihre kanadische Heimat. In einem kleinen Dorf in der Provinz Neufundland und Labrador wird Ende der 1960er Jahre ein Baby geboren, das sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale aufweist, also ein sogenannter "echter Hermaphrodit" ist.
Was macht es wohl mit den Eltern, wenn es auf die Frage "Ist es ein Junge oder ein Mädchen?" keine einfache Antwort gibt? Winter schildert dies durchaus einfühlsam, die Reaktionen der Eltern sind völlig unterschiedlich, gemein ist ihnen vor allem die gegenseitige Sprachlosigkeit und der Wille, die Intersexualität ihres Kindes als Geheimnis zu bewahren. Auch Nebenfiguren, etwa die Hebamme und spätere Lehrerin des Kindes oder eine Schulfreundin sind gut herausgearbeitet und entwickeln sich im Lauf des Plots. Zudem hat mir der Text einen interessanten Einblick in Land- und Ortschaften des nordöstlichen Kanada gewährt; man merkt, dass die Autorin dort aufgewachsen ist.
Leider kommen den First Nations lediglich Statistenrollen zu, Natives werden im Roman nur kurz erwähnt. Selbst über den Vater des Protagonisten erfährt man diesbezüglich kaum etwas, obwohl er zur Hälfte Inuit ist. Dabei hätte gerade der kulturelle Umgang der Inidigenen mit Intersexualität spannende Aspekte geboten, kennen doch viele von ihnen ein drittes Geschlecht als sogenannte "Two-Spirits". Doch davon erfährt man in der Geschichte nichts. Zudem ärgert es mich sehr, dass Winter - ACHTUNG SPOILER - den jungen Hermaphroditen auch noch durch Eigenbesamung und zunächst völlig unbemerkt schwanger werden lässt. Dies ist anatomisch-physiologisch unmöglich! Wieso also dieser Twist? Hat Winter schlichtweg schlecht recherchiert, oder wollte sie zusätzlich dramatisieren? Ersteres ist eigentlich unverzeihlich, Letzteres ist völlig überflüssig, der Plot bietet auch sonst reichlich Stoff für Konflikte.
Nur leider merkt man das ausgerechnet der Hauptfigur über weite Strecken kaum an. Weder hinterfragt Wayne (das Kind wächst nach außen hin als Junge auf) seine medizinische Behandlung, noch scheint ihn die Pubertät großartig aus der Bahn zu werfen. Selbst als er als junger Erwachsener überfallen, misshandelt und vergewaltigt wird, erfährt man von seinen darauffolgenden Suizidgedanken nur in einem Nebensatz. Ansonsten bleiben seine Sorgen und Ängste seltsam verborgen, sie blitzen nur ab und an durch, und einzig sein Gefühl von Einsamkeit wird sehr deutlich. Wo bleiben die unzähligen Fragen, die er haben muss, wo ist der Schock?
Auch beschreibt Winter immer wieder Widersprüchliches oder zumindest sehr, sehr Unwahrscheinliches. Das geht leider zu Lasten der Glaubwürdigkeit.
Fazit: Ein sehr interessantes, wichtiges Thema, dem die Autorin mit Falschinformationen und einer blassen Hauptfigur leider einen Bärendienst erweist.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.